Musizieren beflügelt

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Das Gedächtnis


Unter "Gedächtnis" wird allgemein die Fähigkeit verstanden, Informationen abrufbar zu speichern (Informationsspeicherung).
Die Datenmenge, die unsere Sinnesorgane permanent an das Gehirn liefern, ist gigantisch. Doch nur ein sehr kleiner Teil davon wird vom Menschen wirklich benötigt, um zu leben, um zu überleben und um sich in seiner Umgebung zurechtzufinden.
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Würden umgekehrt alle bei uns Menschen eintreffenden Informationen vom Gedächtnis tatsächlich verarbeitet und auf Dauer gespeichert, wäre uns eine zuverlässige Orientierung unseres Lebens nicht mehr möglich und damit unser menschliches Überleben zumindest höchst gefährdet.

Das Auswählen und Vergessen von Informationen sind somit für den Menschen lebens- und überlebensnotwendige Prozesse.
Unser Gedächtnis hat deshalb quasi einen wichtigen, automatisch wirkenden Filter, der uns vor Datenmüll und Überforderung lebensnotwendigerweise schützen kann!
Und das hat notwendigerweise auch Folgen für alle Gelegenheiten des beabsichtigte Lernens - in welchem Zusammenhang auch immer.
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Genau dieser stets automatisch wirkende, nicht abschaltbare und kaum bewusst beeinflussbare "Selbstschutz-Filter" hat entscheidende Folgen für das, was wir uns merken wollen und im Gedächtnis "behalten" wollen, als für unser Lernen und unseren Lernerfolg bzw. Übe-Erfolg, wie auch für das, was wir uns bewusst oder intuitiv lieber in uns aufnehmen noch irgendwie merken möchten.
Man kann sich das so vorstellen, dass diese Filter etwa so funktionieren:
Unangenehme oder Unwohlsein bewirkende Informationen oder Handlungen werden vom jeweils nachfolgenden Gedächtnis "abgewehrt" bzw. abgelehnt und deshalb nicht oder  nur mit erhöhtem Aufwand abgespeichert.
Angenehme Informationen und solche, die in uns das Wohlbefinden steigern, nimmt das Gedächtnis (besonders) gern auf, um es abzuspeichern.
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Dies bedeutet für den (Klavier-)Unterricht und für das Musizieren:
Ein allgemeines Wohlbefinden im Unterricht einerseits sowie (nur) Musikstücke, die man gern spielt, andererseits sind als Voraussetzung wichtige, wirksame Elemente eines erfolgreichen, nachhaltig wirkenden Klavierunterrichtes, um das Erarbeitete im Gedächtnis zu sichern.

Diese automatisch wirkende Informationsselektion und -speicherung in unserem Gedächtnis geschieht in mehreren Schritten. Nach weitverbreiteter, aber auch nicht unumstrittener Auffassung sind beim menschlichen Gedächtnis drei Einheiten zu unterscheiden.

Man unterscheidet demnach im Allgemeinen drei Gedächtnissysteme, die quasi 'in Serie hintereinander geschaltet' sind. Das Gedächtnis besteht aus drei Speichern:
* aus dem sensorischen Gedächtnis oder Ultrakurzzeitgedächtnis (UKZG), in der Literatur auch gern als Ultrakurzzeitspeicher (UKZS) bezeichnete sensorisches Register (SR) genannt,
* aus dem Arbeits- oder Kurzzeitgedächtnis (KZG), in der Literatur auch gern Arbeitsspeicher oder Kurzzeitspeicher (KZS) genannt und
* und aus dem Langzeitgedächtnis (LZG), in der Literatur auch gern Langzeitspeicher (LZS) genannt.
Zwischen den einzelnen Gedächtnissystemen UKZG und KZG sowie zwischen dem KZG und dem LZG sind jeweils eine Art 'Filter' geschaltet, die stets automatisch wirken.

Das Ultrakurzzeitgedächtnis (UKZG)

In diesem sensorischen Gedächtnis UKZG werden alle eintreffenden Sinnesreize zunächst für vermutlich ein bis zwei Sekunden gespeichert.
Doch nur ein Bruchteil dieser Informationen wird an das Kurzzeitgedächtnis (KZG) weitergereicht; sehr viele Informationen werden dagegen vom UKZG einfach ignoriert bzw. im UKZG unmittelbar wieder gelöscht, andere ausgewählte Informationen werden hingegen an die nächste Instanz, also an das Kurzzeitgedächtnis (KZG) weitervermittelt.
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Das Kurzzeitgedächtnis (KZG)

Weniger eindeutig sind die Aussagen der Forschungen und Überlegungen zum KZG, jener Gedächtniskomponente, auf der das unmittelbare Behalten beruht.
Festzustehen scheint: Es hat nur eine begrenzte Kapazität.
Das Kurzzeitgedächtnis (KZG) ist das einzige der drei Gedächtnissysteme, in dem Daten bewusst verarbeitet werden (können). Es wird gelegentlich auch Arbeitsgedächtnis oder Arbeitsspeicher genannt.
In das Kurzzeitgedächtnis (KZG) gelangen also nur solche Informationen hinein, die im Ultrakurzzeitgedächtnis bereits zur Weiterleitung gefiltert wurden und denen deshalb durch uns genügend emotionale Aufmerksamkeit zuteil wurde.
Der Umgang mit diesem Kurzzeitgedächtnis (KZG) sowie die Disposition des Kurzzeitgedächtnisses sind deshalb für den Übe-Erfolg an einem Musikinstrument von besonderer, wenn nicht sogar ganz entscheidender Bedeutung.

Das Langzeitgedächtnis (LZG)

Hier werden die über das KZG eintreffenden Informationen nachfolgend dauerhaft gespeichert. Das bedeutet aber nicht, dass diese abgespeicherten Informationen anschließend ein Leben lang jederzeit wieder problemlos abrufbar sind.
Wissen, welches z. B. nicht oft genug benötigt wird, wird zum passiven Wissen und gleitet dann schließlich ins Unbewusste ab. (Es kann aber situativ wieder re-aktiviert werden.)
Das Langzeitgedächtnis (LZG), die zentrale und zugleich umfangreichste Gedächtniskomponente des Menschen, speichert die Gesamtmenge der überdauernden, aber nicht der unbedingt jederzeit sofort abrufbaren Informationen.
Die Inhalte des LZG bilden jedoch keine bloße Anhäufung von Informationen, vielmehr muss man sich das LZG als ein Netzwerk denken, in dem die Inhalte nach bestimmten Regeln miteinander verknüpft sind (Assoziationsgedächtnis).
Im Langzeitgedächtnis (LZG) werden die abgelegten Inhalte nach ihrer Bedeutung sowie nach der Intensität ihrer Vorbereitung und/oder Bearbeitung im Kurzzeitgedächtnis organisiert und abgespeichert.
Also auch der Umgang mit dem Langzeitgedächtnis und seine Pflege sind für den Übe-Erfolg an einem Musikinstrument von ebenso entscheidender, quasi wirkungsvoller Bedeutung, insbesondere für die Speicherung der Übe-Ergebnisse und für die Repertoirepflege.

Daraus folgt für das Instrumentalspiel und für den Instrumentalunterricht:
+ Musikstücke, die sich durch bestimmte, an anderer Stelle benannten
.. Parameter auszeichnen, erleben die meisten Musizierenden
.. als angenehm, wie empirische Erhebungen zeigten.
+ Musikstücke, deren Notensatz zudem gut lesbar sind, verstärken
.. den positven Eindruck und erhöhen so die Lese-Motivation.
+ Musikstücke, die wir mögen, nehmen wir im Unterricht schneller auf.
+ Musikstücke, die wir mögen, erlernen und erarbeiten wir schneller.
+ Musikstücke, die wir mögen, können uns durch das eigene Musizieren
.. beflügeln.
+ Nur ein emotional gutes Einvernehmen zwischen Lehrenden und Lernenden
.. können zu guten Unterrichtsergebnissen führen.

Das Gesagte gilt aber auch umgekehrt:
+ Musikstücke, in denen bestimmte, an anderer Stelle benannte "Wohlfühl"-
.. Parameter fehlen, erleben die meisten Musizierenden
.. als unangenehm und schwach, wie empirische Erhebungen zeigten.
+ Musikstücke, deren Notensatz zudem nicht gut lesbar sind, verstärken
.. nun diesen negativen Eindruck und senken so die Lese-Motivation ab.
+ Musikstücke, die wir nicht mögen, nehmen wir im Unterricht langsamer auf.
+ Musikstücke, die wir nicht mögen, erlernen und erarbeiten wir langsamer.
+ Musikstücke, die wir nicht mögen, können uns durch das eigene Musizieren
.. auch nicht "beflügeln".
+ Und ein emotional ungutes oder unstimmiges Einvernehmen zwischen Lehrenden
.. und Lernenden werden eben nicht zu den erwarteten und erhofften
.. Unterrichtsergebnissen führen.

Eine wichtige und unabdingbare Voraussetzung hierfür ist der personenzentrierte Unterricht, der bei allen Beteiligten frei von allen überdurchschnittlichen Eitelkeiten und Selbstverwirklichungsziel ist und der das geschwisterliche DU und nicht das eitle ICH in das Zentrum allen Handelns und Überlegens stellt.

Mein Unterrichtsangebot:
- Individueller, personenzentrierter Klavierunterricht
  auf Wunsch ergänzbar um die Bereiche
  - Musiktheorie/Musiklehre
  - Liedbegleitung
  - Klavier-Improvisation


Email: GKaluza [at] Piano77.de

Mitglied im Berufsverband DTKV (Deutscher Tonkünstlerverband),
Landesverband Berlin

Mitglied der GEMA,
Mitglied der VG Musikedition


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